Tabuthema Burn-out

Im Januar 2022 hat die WHO das Burn-Out- Syndrom in den Katalog anerkannter Krankheiten (ICD) aufgenommen. Das ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer wirksamen Prävention und einem adäquaten Umgang mit Betroffenen unterschiedlichen Grades.

Schon vor mehr als dreissig Jahren zeigten sich erste erkrankte Mitarbeitende, bei denen keiner wusste, was ihnen fehlt. Von einem Tag auf den andern krank geschrieben, verschwanden sie oft für Wochen und Monate. Ein Fall, den ich besonders hautnah erlebte, weil es einen Kollegen betraf, endete tragisch: Der Mann versuchte nach seiner «Genesung» zwei Wochen lang an den Arbeitsplatz zurückzukehren, schaffte es aber einfach nicht, das Gebäude zu betreten. 

Eine gute Kollegin verbrachte nach einigen Schicksallschlägen ein halbes Jahr in einer Reha-Klinik, um ihr Burn-out zu kurieren. Auch sie verschwand von einem Tag auf den andern. In Sorge rief ich Ihre Eltern an, von denen ich erfuhr, wo sie sich aufhielt und rief sie regelmässig an. Glücklicherweise schaffte sie die Rückkehr in die Arbeitswelt wieder. 

Selbst schrammte ich einige Male haarscharf an einem Burnout vorbei. Alleinerziehend, mit anspruchsvoller Familie, die stets Bestleistungen erwartete, ein kleines Kind, ein schwieriger Vorgesetzter, ein täglicher Commute von 100 km und ein aussergewöhnliches Schlafmuster erhöhten den normalen Druck. Da ich selbst auch nicht fünfe gerade lassen konnte und aus Angst vor Jobverlust, arbeitete ich jahrelang zehn Stunden am Tag. Kam ich nachhause, war erstmal spielen und reden mit meinem Kind angesagt, das nach einem Tag mit dem Kindermädchen einfach nur noch seine Mama wollte, danach kochen, essen, aufräumen, Kind zu Bett bringen. Eigentlich hätte ich um 22 Uhr Schluss machen können. Das Problem war, dass ich erst gegen zwei Uhr morgens einschlief, weil dies meinem zirkadischen Rhythmus entspricht. Und um 6 Uhr wieder aufstehen musste, um rechtzeitig im Auto nach Zürich zu sitzen. Jahrelang. Bis es eines Tages fast nicht mehr ging. Ich hatte grosse Mühe, morgens überhaupt ins Auto zu steigen. Mir war jeden Morgen übel. Ich schaffte gerade noch den Alltag im Büro und mit dem Kind. Irgendwann hörte ich auf, meine Post anzuschauen. Meine Rechnungen zu erledigen. 

In den nächsten Monaten änderte ich einiges. Wir fanden eine passende Wohnung in der Nähe meines Arbeitsplatzes. Ich lagerte meine eigene Buchhaltung und alles aus, was ging und konzentrierte mich nur noch auf mein Kind und meinen Job. Und ich legte folgendes fest:

Zuerst kommt mein Kind. Dann kommt mein Job. Dann komme ich. Und wenn ich dann noch Kraft und Energie habe kommt mein Haushalt und der ganze Kleinkram. Die Familie, überzeugte Hausfrauen, fanden das nicht so toll, aber mir ging es damit besser. 

Jahre später. Ein neuer interner Job. Der Personalchef drückt mir das dringende Anliegen aufs Herz, ich möge die Ferientage der Mitarbeitenden überwachen. Nicht, dass sie zuviele Ferientage bezogen hätten. Nein, sie hatten die Tendenz, keine Ferien zu beziehen. Wenn ein Burn-Out-Patient nachweisen kann, dass das Unternehmen seiner Sorgfaltspflicht nicht nachgekommen ist und dafür gesorgt hat, dass Ferien bezogen werden, muss es dem Mitarbeitenden möglicherweise für den Rest seines Leben eine Entschädigung bezahlen. Das kann wirklich ins Auge gehen.

Susanne H. Keller has been a coach since 2012, specializing in systemic coaching, change management and organizational development. She has more than thirty years experience in executive management, project management and managing science and technol”ogy. As a systemic coach she can help executives and teams to manage change, develop their personalities and their companies, create start-ups, work on their projects, discover new perspectives,and reach their goals.
You can contact her at www.susanne-keller.ch

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